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Für Koffer und Kinder ist der ICE zu klein

Reisende Eltern sollten immer eine Tüte Gummibärchen in der Tasche haben – und zwar nicht für die Kinder. Reisebloggerin Heike Kaufhold über das Chaos mit Koffern und Beschwichtigungsversuche im Zug.
| Lesedauer: 4 Minuten
Schwere Koffer, genervte Geschäftsreisende: Wer mit Kindern mit dem Zug reist, braucht starke Nerven – und immer eine Tüte Gummibärchen. Vor allem zur Rushhour Schwere Koffer, genervte Geschäftsreisende: Wer mit Kindern mit dem Zug reist, braucht starke Nerven – und immer eine Tüte Gummibärchen. Vor allem zur Rushhour
Schwere Koffer, genervte Geschäftsreisende: Wer mit Kindern mit dem Zug reist, braucht starke Nerven – und immer eine Tüte Gummibärchen. Vor allem zur Rushhour
Quelle: Getty Images

Das Stressigste bei einer 15 Stunden dauernden Anreise in den Urlaub ist für viele der Flug. Nicht für uns. Während wir Langstreckenflüge problemlos absitzen, stresst mich schon das Wissen um die bevorstehende Fahrt im ICE der Deutschen Bahn von Köln zum Frankfurter Flughafen. Wer einmal mitten im engen Zug samt Koffern feststeckte, weiß, wovon ich rede.

Für mich als auf die Ferienzeit angewiesene, immer mal wieder alleinreisende Mutter mit zwei Kindern wiederholt sich regelmäßig folgendes pulstreibende Szenario: Der Zug fährt ein. Während die Waggons an uns vorbeirauschen, bringe ich die Jungs in Stellung und nenne ihnen die Nummern unserer reservierten Sitzplätze.

Wir stehen fantastisch: Eine der Türen zum richtigen Waggon haben wir nur um einen Meter verfehlt. Während wir die Passagiere aussteigen lassen, nutzen die pendelnden Anzug- und Notebookträger die Höflichkeitslücke und drängen sich an uns vorbei in den Zug. Ich schicke die Kinder vor, wuchte dann den großen Koffer rein, eine Tasche mit Fotoequipment und einen weiteren, verdammt unhandlichen Sack mit zwei Kickboards.

Wo bist du denn? Kommst du jetzt?

Während die Jungs sich schon in der Mitte unseres Waggons befinden, stehe ich noch immer samt Gepäck am Eingang. „Mamaaaaa, welche Sitze haben wir?“, ruft eine mir vertraute Stimme durch den vollen Zug. „Die Sitze mit dem Tisch da hinten in der Mitte, geht schon mal durch!“ – „Aber Mama, wo bist du? Kommst du jetzt?“

Ich würde ja – aber ich stecke fest. Von allen Seiten strömen Reisende hinein, beäugen mich missmutig. Es scheint ungewöhnlich zu sein, dass sich in einem ICE nach Frankfurt zur Ferienzeit Eltern oder – wie in meinem Fall – eine Mutter samt Kindern und Koffern befindet.

Anzug- und Notebookträger auf der Jagd nach freien Plätzen

Zwischen den Jungs und mir stauen sich fremde Genervte – bei mir staut sich die Wut. Die Anzug- und Notebookträger sind auf der Suche nach nicht reservierten Plätzen, schieben ihre Gepäckstücke in die Ablagen, setzen sich gern auch auf einen der reservierten Plätze.

Schon eine Minute nach Betreten des Zugs, der sich mittlerweile in ein großes Kinderzimmer verwandelt hat, das mit der nicht enden wollenden Reise nach Jerusalem beschäftigt ist, geht nichts mehr. Was fehlt, ist lediglich die Mitgebsel-Tüte mit den Süßigkeiten, die am Ende an den Gewinner vergeben wird.

Schwarzen Peter weitergeben – oder in Luft auflösen?

Während sich der Puls bei allen Reisenden merklich erhöht hat, stehe ich weiterhin vor dem Eingang des Abteils und frage mich: Wohin zum Henker mit dem 20 Kilo schweren Koffer?

Heike Kaufhold schreibt auf ihrem Blog koeln-format.de über die Tücken des Reisens mit Kindern
Heike Kaufhold schreibt auf ihrem Blog koeln-format.de über die Tücken des Reisens mit Kindern
Quelle: Heike Kaufhold

Ich habe folgende Optionen. Erstens: Ich mache mir keinerlei Gedanken und blockiere den Durchgang weiter, indem ich den Koffer durch den schmalen Gang zerre und versuche, die Mini-Ablage des Waggons zu erreichen, die höchstens zweieinhalb Köfferchen fasst.

Option zwei: Ich gebe den Schwarzen Peter weiter und bitte einen Fremden, den Koffer in die Ablage zu wuchten. Finde ich jemanden, bin ich weiterhin gestresst, denn ich muss kurz vor Frankfurt wieder eine Person finden, die ihn für mich da oben rausfischt.

Option drei: Ich stelle den Koffer auf einen Sitz – nach dem Motto: Hauptsache, aus dem Weg schaffen. Das setzt allerdings voraus, dass ein Platz frei ist. Option Nummer vier: Ich löse die Koffer und mich einfach in Luft auf – ich arbeite noch an der Umsetzung.

Eltern neigen dazu, im Flugzeug kleine Geschenke an mitreisende, oft kinderlose Sitznachbarn zu verteilen – schon vor Abflug. Eine Art Wiedergutmachung in Form zuckerhaltiger Bären aus Tütenhaltung inklusive handgeschriebener Notiz – für den Fall, dass es mal wieder lauter wird und die Kinder sich wie eben solche verhalten. Vielleicht sollte ich diese Beschwichtigungsmethode bei unserer nächsten Zugfahrt ausprobieren – als Prämie für den Gewinner der Reise nach Jerusalem.

Bloggerin Heike Kaufhold schreibt über das Reisen mit Kind und Kegel auf ihrem Blog koeln-format.de.

Lesen Sie aus unserer Reihe „Bloggerwelt“ auch den Beitrag von Christoph Karrasch: „Mit der Sechs-Freunde-Theorie quer durch Europa“.

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